Emotionaler Stress entsteht nicht durch objektive Gefahren, sondern durch die Bewertung, die wir inneren und äußeren Ereignissen geben. Verlust, Enttäuschung, Ungerechtigkeit, Scham, Hilflosigkeit – all das sind emotionale Auslöser, die das Nervensystem genauso in Alarmbereitschaft versetzen wie körperliche Bedrohungen.
Das Tückische daran ist, dass der Verstand eine Situation oft schon längst verarbeitet hat, während der Körper noch immer im Ausnahmezustand steckt. Man weiß rational, dass die Kündigung schon Wochen her ist. Man weiß, dass das schwierige Meeting vorbei ist. Aber innerlich vibriert noch etwas nach. Diese Lücke zwischen Kopf und Körper ist das eigentliche Problem.
Psychologen unterscheiden zwischen akutem emotionalem Stress, der nach einem konkreten Ereignis auftritt, und chronischem emotionalem Stress, der sich über Monate und Jahre aufbaut. Besonders der chronische Typ wird häufig übersehen, weil er keine klare Ursache hat. Er ist kein Ereignis – er ist ein Zustand.
Hinzu kommt eine gesellschaftliche Konditionierung, die besonders Frauen betrifft: Emotionen klein halten, weitermachen, stark bleiben. Wer jahrelang gelernt hat, Stress wegzudrücken, verliert oft den Zugang zum eigenen emotionalen Erleben – und damit auch die Fähigkeit, rechtzeitig gegenzusteuern.